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Modeschau mit DIE TÖDLICHE DORIS, das gab es
schon mal 1991 mit den Showgarderoben von Müller, Utermöhlen & Kruse als
Kunstobjekten. Die Morphologische Modemusik Welten - Worlds - Ohontsa‘
shón:‘a (VOD 19) erklang aber bereits am 14.10.1984 auf der
Durchbruch-Modenschau in der Berliner Deplana-Kunsthalle. Der mehr oder weniger
lethale Beitrag der Doris bestand im Geschmurgel von 24 Audiotapes, abgespielt
auf mehr oder weniger defekten Kassettenrekordern. Dazu spielte - und das kann
man mehr oder weniger glauben - die Gerry-Belz-Show-Band, ein vom Arbeitsamt
vermitteltes Trio mit Schlagzeug, Akkordeon und Gitarre und einem
Muzakrepertoire gängiger Déjà-vu-Dudeleien. Die verrauschte Melange dieser
Ingredienzen inklusive einplätschernden Modeschaubeifall erfreut nun das mehr
oder weniger dupierte Ohr. Handgespielte Musik, wenn auch der
mechanisch-routiniertesten Sorte, und typische Tapeeffekte, Schleifen, Loopen
oder ein Schmieren, das wie blökende Schafe klingt, begegnen und mischen sich
auf einem dritten Medium, der Vinylscheibe, serviert wie ein köstliches
Marzipantortenstück für Modeschautanten. Dass Die Tödliche Doris kulinarische
Gelüste oder ästhetizistisches Design bedient, war bisher nicht gerade
naheliegend. Der Gedanke lässt sich auch nur denken mit Wörtchen wie ‚Kult‘ oder
‚Camp‘ als Vermittler. Sechs Beweisfotos auf der Innenhülle zeigen leider nur
Negerkampf im Dämmerlicht einer Fischli & Weiss-Rumpelkammer. Nun, Wolfgang
Müllers Einbildungskräfte sind erwiesener Maßen unerschöpflich, wenn es gilt,
die Welt, wie sie ist, in seiner MÜLL-Konzeptkunst zu spiegeln und zu brechen
oder unhörbar und außermusikalisch zu vertonen. Ob Elfen oder Eisenbahnen,
Urpflanzen oder Meisenknödel, Fledermausultraschall oder Gebärdensprache, ob
Walther von Goethes oder Wittgensteins Isländische Reise, das Tatsächliche,
Mögliche oder nachträglich Berichtigte zu beschweigen oder zu betonen hat er so
perfektioniert, wie es wohl nur ein von den Genien gestreifter Dilettant fertig
bringen kann.
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